Tanya und Oliver

tanyaundoliver

Tanya (Jg. 1971) und Oliver (Jg. 1972)
zusammenlebend, Frankfurt am Main

Tanya erzählt:

Anfang Oktober 2001 habe ich eine Anzeige „Eine knackige Mainhattanerin sucht einen knackigen Mainhattaner“ im Internet aufgegeben, da ich mich vergnügen wollte, denn ich lebte schon einige Zeit von meinen Mann getrennt. Oliver hat auch eine Anzeige aufgegeben, aber er meldete sich zuerst bei mir und schrieb mir, ich könnte auch mal seine Anzeige anschauen. Bei seiner Anzeige war auch sein Foto dabei. Ich erschrak, weil seine Augen auf dem Foto so rot waren, wie bei einem Vampir. Ich neckte ihn, ob er ein Vampir sei. So hat es angefangen, dass wir uns Mails schrieben.
Ich habe ihm gleich gesagt, dass ich gehörlos bin. Für Oliver ist das kein Problem.

Nach 2 Wochen wunderte er sich und fragte, warum ich nicht anbeiße. Ich verstand nur Bahnhof. Doch dann verstand ich, dass er sich mit mir treffen wollte. Also haben wir uns in einem chinesischen Restaurant verabredet.

Am Tag des Treffens war ich sehr aufgeregt, denn ich war zum ersten Mal mit einem hörenden Mann verabredet. Ich komme nämlich in 3.Generation aus einer gehörlosen Familie. Ich kam zu früh ins Restaurant. Er kam pünktlich und brachte eine Rose mit.

Er sprach und ich verstand nichts. Zum Glück hatte ich einen Block und einen Stift mitgebracht. Oliver schrieb auf, dass er noch verheiratet war. Ich antwortete, ‚ich auch und ich habe zwei Söhne‘. Da mussten wir beide lachen. Er lebte auch von seiner Frau getrennt wie ich von meinem Mann. Wir schrieben und verstanden uns sofort prima. Wir aßen und gingen dann in eine andere Kneipe. Wir haben viel gelacht und schrieben immer wieder bis in den frühen Morgen…

Dann trafen wir uns immer wieder und ich verliebte mich immer mehr in ihn. Er verstand sich auch gut mit meinen Söhnen. So fing unsere Beziehung an… Er wollte die Gebärdensprache erlernen, um mit mir normal kommunizieren zu können. Ich habe mit ihm zusammen geübt, das war sehr lustig. Er hat wirklich Talent und lernt sehr schnell. Manchmal gibt es Kommunikationsprobleme, aber wir bemühen uns dann, es wieder in Ordnung zu bringen.

Als ich von meinem Mann endlich geschieden war, gab es eine Überraschung: ich war schwanger! Ich hatte wirklich Angst, es Oliver zu sagen. Ich wusste ja nicht, ob er sich freut, bzw. wie er dann reagieren würde. Wir hatten ja nicht über die Zukunft gesprochen. Wir waren im Garten und ich sagte ihm also in Gebärdensprache: ‚Du wirst Papa.“ Er war wirklich überrascht und sprachlos. Er ging kurz weg und kam mit einer Flasche Bier zurück. Dann lachte er und sagte: ‚Das schaffen wir!‘

Also beschlossen wir zusammenzuziehen. Wir fanden schnell eine sehr große Wohnung für uns alle.

Am 23.4.2003 kam unser Töchterchen Isabel-Avril 11 Tage verspätet zur Welt. Oliver war bei der Geburt dabei, er hat mich sehr unterstützt, ich bin ihm wirklich sehr dankbar.
Nun sind wir fünf – eine „Patchwork-Familie“ wie man sagt.