Kirsten und Karsten

kirstenundkarsten

Kirsten (Jg. 1973) und Karsten (Jg. 1968)
verheiratet, Nordkirchen

Kirsten erzählt:

Karsten und ich haben uns schon im August 1990 kennen gelernt. Beim Schützenfest bei uns in Nordkirchen. Ich fand ihn sympathisch. Aber auf meine Annäherungsversuche bekam ich nur den doofen Satz zu hören: ‚Nein, ich will mein Leben genießen bis ich 25 oder 26 Jahre alt bin.‘ Bang! Aus die Maus!

Später haben wir uns dann wiedergesehen. Und was erzählt mir der Mensch? Er habe eine Beziehung! Na ganz große Klasse… Ich bagger den Typen an und der merkt nichts und nun erzählt der mir, dass ich raus bin aus dem Rennen. Meine Reaktion war, nicht gerade begeistert aus der Wäsche zu gucken und ein verkniffenes ’na, dann‘.

Also suchte ich mir eine andere Beziehung. Die hielt gut zwei Jahre. Karsten und ich trafen uns häufiger wieder und sprachen auch miteinander. Seine Beziehungen waren immer wieder neu und anders und irgendwie immer verrückt.

Dann kam ein Geburtstag eines Freundes im Juni 1992. Bei der Geburtstagparty angekommen machte mein damaliger Freund nur Mist. Da ich ohnehin Karsten versprochen hatte, ihn nach Hause zu bringen, tat ich das auch. Vor seiner Haustür gab es eine Rampe die er sich je nach Verfassung nicht immer allein rauftraute. Als mir dann aber sein Vater (der fast zwei Meter groß ist) die Tür öffnete, wurde mir etwas mulmig und ich machte mich aus dem Staub.

Tags darauf machte mir mein damaliger Freund eine Szene am Telefon, weil er dachte, ich hätte Karsten nicht nur nach Hause, sondern auch ins Bett begleitet. Das war zuviel! Ich beendete diese – ohnehin nicht glückliche – Beziehung.

Ganz langesam wurde dann aus dem ‚Karsten nach Hause bringen‘ mehr. Wir redeten viel und lernten uns schließlich lieben. Meine Eltern brauchten Zeit, damit klar zu kommen. Aber heute ist es ganz normal für sie und sie gehen mit Karsten so um wie mit jedem anderen auch. Meine Schwiegereltern hatten zuerst Angst, ich könnte Karsten ‚ausnutzen‘. Aber mit der Zeit wurde ihnen klar, dass das nicht so ist.

Nachdem wir dann nach langer Suche eine Wohnung gefunden hatten, haben wir uns im Oktober 1994 verlobt. Standesamtlich geheiratet haben wir am 28. März 1996 hier in Nordkirchen, kirchlich im Juni. Sogar mit Brautwalzer, den wir uns vorher vom Bundestrainer für Rollstuhltanz in Bonn hatten zeigen lassen.

Im Jahr 1998 haben wir dann mein Elternhaus behindertengerecht umgebaut und im September des folgenden Jahres kam unser erster Sohn Simon zur Welt. Philipp wurde im Januar 2002 geboren.

Seit August 2003 geht Simon in eine heilpädagogische Kindertagesstätte der Caritas. Dort gibt es behinderte und nichtbehinderte Kinder, die zusammen spielen und lernen. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob es das Richtige für ihn ist. Heute sind wird der Meinung, es ist richtig und gut. Auch Philipp wird hoffentlich bald dort hin gehen können.

14. Februar 2004