Silja und Guido

siljaundguido

Silja (Jg. 1966) und Guido (Jg. 1963)
verheiratet, Berlin

Ob sie es denn schon mal mit Kräutern versucht habe, fragte Guido die blinde junge Frau, die da im November 1988 nachts neben ihm am Bahnsteig auf die U-Bahn wartete. „Nein“, antwortete sie nur verdutzt, woraufhin der junge Mann ihr seine Telefonnummer gab, weil sie ihre bestimmt nicht mitgeteilt hätte.

„Ich halte nicht so viel von Ärzten und Krankenhäusern“, meint Guido. „Das läuft doch meist nur auf Autowerkstattniveau ab.“ Deshalb interessiert er sich unter anderem für Kräuterheilkunde.

„Ich war an dem Abend mit einer Freundin unterwegs gewesen und auf dem Nachhauseweg“, erzählt Silja. Guido arbeitete damals als Koch und kam gerade von der Arbeit. „Angerufen hab ich erst so zwei, drei Wochen später, weil mir die Nummer noch im Kopf rumspukte.“ Aus diesem einen längeren Telefonat wurden im nächsten Vierteljahr immer mehr, bis Guido schließlich meinte, jetzt sei ja wohl mal die Zeit gekommen, sich zu treffen.

Zur Verabredung kam Silja zu spät – mit Absicht. Als Guido sie darauf hinwies, meinte sie nur kokett, sie stehe doch schon ganz lange da. Aber Guido hatte genau gesehen, dass das nicht stimmte und meinte, sie solle ihn doch nicht anlügen. Nach diesem doch etwas kritischen Start wurde das Treffen aber doch noch schön und die beiden beschlossen, sich wieder zu sehen. Silja arbeitete damals schon als Erzieherin (sie ist die erste blinde Erzieherin in Deutschland).

„Wir waren dann ein Jahr lang nur so befreundet“, erinnert sie sich. Nach einem Jahr erst wurde aus der Freundschaft eine Beziehung. Dann zog Silja zuhause aus und suchte sich eine neue Wohnung. „Da bin ich dann gleich mit eingezogen“, schmunzelt Guido. „Einige Monate später wurde Silja schwanger und so haben wir im Sommer ’91 geheiratet.“ Ein paar Wochen danach kam Sohn Fabian zur Welt.

„Für mich war das kein Thema, eine blinde Frau zu heiraten“, sagt Guido. „Wir lieben uns einfach.“ Auf die Standardfrage, ob er denn wisse, was er da tue, kann er nur eins antworten: „Ja!“

18. März 2004