Alexandra und Hans-Ludwig

alexandraundhansludwig

Alexandra (Jg. 1969) und Hans-Ludwig (Jg. 1968)
verheiratet, Bedburg-Hau

Alexandra erzählt:

1995 war meine Freundin Nicole ständig auf Partnersuche. Aber irgendwie klappte das nie so richtig. Im Beisein einer anderen Freundin rief sie sonntags einen Radiosender an und hat sich wohl unheimlich gut verkauft. Mittwochs bekam sie einen dicken Brief mit Telefonnummern und kurze Angaben von Personen die sich für Sie interessierten. Unter anderem hatte sich auch Hans-Ludwig Schlebusch wohnhaft in Bottrop gemeldet.

Nicole rief bei einigen Männern an. Mit Hans-Ludwig unterhielt Sie sich über Gott und die Welt, sagte ihm jedoch, dass sie jemanden aus dem Raum Duisburg gefunden hätte. Aber sie hätte da noch eine Freundin…

Ein paar Tage später, am 30.06.1995, feierten wir zu Hause meinen Geburtstag und den meines Vaters nach. Nicole war nachmittags gekommen und sagte, ich soll den Hans-Ludwig anrufen. Erst habe ich mich geweigert, aber dann habe ich allen Mut zusammen genommen und es gemacht. Gott sei Dank ging nur der Anrufbeantworter dran, ich hinterließ meine Telefonnummer.

Hans-Ludwig rief auch prompt zurück. Wir unterhielten uns und ich warf ihm an den Kopf, dass ich Rollstuhlfahrerin bin. Er sprach ohne Stocken weiter. Mittlerweile schrieb Nicole auf einen Zettel: „Lad ihn doch für heute abend ein“. Ich hielte den Hörer zu, zeigte Ihr einen Vogel und sagte: „Ich verschleiß doch nicht die Männer, die Du nicht haben möchtest“. Aber trotzdem habe ich Ihn gefragt, ob er an diesem Abend schon was vor hätte. Eigentlich wollte er mit einem Freund ins Kino gehen, aber er könne ja vorbeikommen. Ich beschrieb ihm den Fahrweg.

Viele von meinen Freunden und Bekannte meiner Eltern waren schon da, und wir feierten draußen im Garten. Auf einmal klingelt es an der Tür und wer steht da? Hans-Ludwig! Nicole ging sofort auf Ihn zu und begrüßte ihn mit den Worten ‚Groß, blond, blauäugig‘. (Die Angaben die er zu seiner Person im Radio durchgegeben hatte).

Zum Geburtstag hatte er mir die neue CD von Westernhagen und eine schöne große Geburtstagskarte geschenkt. Wir setzten uns zu den anderen Freunden und unterhielten uns. Ich trank reichlich Erdbeerbowle und weil er ja nach Hause fahren musste, trank er nur Mineralwasser. Ich wurde immer lockerer und beschwipster. Auf einmal verließen mich alle guten Freunde. Und wir waren alleine.

So gegen 1.30 Uhr wollte er sich dann auch auf den Heimweg machen. Und weil ich so klein bin (1,50 m) und er 1,95 m groß ist, habe ich Ihn nicht so gut verstanden, als wir uns auf dem großen Wendehammer verabschieden wollten. Er sagte „Wie geht es denn mit uns weiter?“ und ich habe verstanden „Wie geht es denn mit dem Taxifahrer weiter?“ (Der wartete nämlich auf Freunde meiner Eltern, um sie nach Hause zu bringen).

Also antwortete ich: „Entweder bleibt er hier oder fährt nach Hause“. Hans-Ludwig schaute mich ganz verdutzt an, und meinte, so hätte er das auch nicht gemeint. Ich sagte ihm dann auch entschuldigend dass das kein unmoralisches Angebot gewesen sei, sondern ich ihn nicht richtig verstanden hatte. Fürs folgende Wochenende haben wir uns dann zum Eisessen verabredet. Er musste mich abholen, weil ich in der Zeit aus gesundheitlichen Gründen kein Auto fahren durfte.

Damals hatte ich auch einen sehr guten Bekannten (Robert). Ich wusste nicht so recht was ich von ihm wollte: Freundschaft oder Liebe. Trotzdem gingen wir an einem Tag des Wochenendes regelmäßig aus.

Hans-Ludwig aber ließ nicht locker, rief fast jeden Tag an und besuchte mich auch ohne vorherige Anmeldung. So musste ich „ein Bier trinken gehen“, bei Robert absagen und auch sagen, dass ich kurzfristig Besuch von meinem Freund Ludwig bekommen hätte. Da war plötzlich Stille in der Leitung…

Immer wieder redeten Nicole und eine andere Bekannte mir zu, wie nett und zuvorkommend Ludwig doch sei. Trotzig antwortete ich: ‚Wenn wir zusammen sein wollen, dann entscheiden wir das selber‘. Und so ist es dann auch gekommen.

Am 09.09.1999 haben wir standesamtlich und am 18.08.2000 kirchlich geheiratet. Nicole war meine Trauzeugin.

25. März 2004