Roswitha und Basant

roswithaundbasant

Roswitha (Jg. 1968) und Basant (Jg. 1957)
zusammenlebend, Erkelenz

Roswitha erzählt

Wir haben uns im Februar 2001 im Berufsförderungswerk Düren kennen gelernt. Ich sollte von der BfA aus eine Arbeitserprobung für zwei Wochen machen, weil ich durch eine Netzhauterkrankung meinen Beruf als Personalfachkauffrau nicht mehr ausüben konnte. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich zwar schon die Rente beantragt, aber so etwas dauert ja bekanntlich.

Gleichzeitig mit mir begannen drei jüngere Männer diese Maßnahme. Wir bildeten dort eine Gruppe, so dass wir immer zusammen die Mahlzeiten einnehmen konnten. Wir drückten zusammen die Schulbank und abends gab es im Haus verschiedene Freizeitmöglichkeiten wie Kegeln, Fitnessraum, Bistro usw.

Basant lernte ich am Abend den 12. Februar 2001 beim Abendessen kennen. Er war dort, um eine Umschulung zu bekommen, da er seinen Beruf als Lkw-Fahrer wegen einer entzündungsbedingten Augenerkrankung nicht mehr ausüben konnte. Allerdings war es in seinem Fall möglich, die Sehkraft operativ zu retten, so dass er bisher nicht behindert ist.

Wir verbrachten die erste Woche und ich fühlte mich mehr und mehr zu diesem gutaussehenden Mann hingezogen. Ich wunderte mich sehr, da ich ja verheiratet war. Basant war Single. Wir konnten uns sehr gut unterhalten, über Gott und die Welt. Wir verbrachten den Tag und den Abend zusammen, dabei lernte ich seinen Charakter besser kennen. Er war sehr ruhig, geduldig und hilfsbereit. Einmal hat er einem Vollblinden sein Leibgericht zubereitet, das hat mir sehr imponiert.

Am Ende der ersten Woche wurde ich von meinem Mann abgeholt und verbrachte das Wochenende in Kaarst, meinem damaligen Wohnort. Da wir vorher vereinbart hatten, dass ich am Wochenende zuhause sein würde, konnte ich jetzt nichts anderes sagen. Zuhause wir ich jedoch wie blockiert. Den Zustand kann ich nur so schildern, dass mein Körper in Kaarst war, aber mein Herz in Düren.

Ich war froh, als ich am Sonntagabend wieder in Düren ankam. Die letzte Woche hatte nun angefangen und der Countdown lief. Die Zeit verging wie im Fluge, zwischendurch gab es noch eine Karnevalsfeier. Die letzte Nacht verbrachten wir zusammen. Er hatte mir ein Buch geschenkt, das er doppelt besaß. Ich bedankte mich mit einer Umarmung und Kuss und ließ nicht mehr los…

Am nächsten Tag reisten wir beide wieder ab, mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben. Wir trafen uns ein paar Mal heimlich, aber das war kein Zustand für uns beide.
Vier Wochen nach unserem Kennenlernen sagte ich meinem Mann, dass ich mich trennen wollte – nach 17 Jahren Ehe. Die Situation war anfangs natürlich sehr belastend.

Nach einem halben Jahr zog ich erstmal zu Basant in seine kleine Wohnung. Inzwischen haben wir uns wohnungsmäßig vergrößert und fühlen uns hier in Erkelenz sehr wohl. Wir werden sicher auch irgendwann heiraten und vielleicht auch ein Kind bekommen. Aber das überlassen wir dem Schicksal.

19. April 2004