Kerstin und Werner

kerstinundwerner

Kerstin (Jg. 1967) und Werner (Jg. 1955)
verheiratet, Dünsen

Kerstin: Wir hatten uns beide zur selben Zeit in einer Internetcommunity angemeldet und dort eine Kontaktanzeige aufgegeben. Das war Ende Juli 2003.

Werner: Ich hab auf ihre Anzeige zweimal geschrieben, weil sie beim ersten Mal nicht reagiert hatte. Keine Ahnung, wie viele Angebote sie da schon hatte. Jedenfalls hab ich ihr nach einer Woche noch eine Mail geschickt und gesagt „Ich brauch wen zum Reden“. Daraufhin hat sie sich zurück gemeldet. Wir haben dann bald unsere Telefonnummern ausgetauscht und stundenlang telefoniert.

Kerstin: Wir fanden uns am Telefon gleich sympathisch.

Werner: Ja, wir interessieren uns für die gleichen Dinge und haben so jede Menge Gesprächsstoff.

Kerstin: Dann kam der 6. August.

Werner: Ich hatte Kerstin unter dem Vorwand, ihr ein Foto schicken zu wollen, nach ihrer Adresse gefragt. Ich hatte aber gar keins, ich wollte sie endlich persönlich kennen lernen. Also hab ich erzählt, ich sei an dem Tag nicht da, sondern auf dem Geburtstag meiner Schwägerin, und bin zu Kerstin gefahren.

Kerstin: Naja, als er dann plötzlich vor mir stand, hat er schon erst mal geschluckt. Weil ich ja nur einen Meter groß bin und körperbehindert dazu…

Werner: Aber ich wusste ja schon vom Telefonieren, wie lieb sie ist. Und dachte: Ist doch egal, wie sie aussieht. Dann hab ich gesagt: Los, wir gehen jetzt ne Pizza essen. Und das haben wir auch gemacht.

Kerstin: Ich kannte ihn ja schon von einem gemailten Foto, sonst wäre ich nicht mitgegangen. Zuerst waren wir essen, dann sind wir noch in den Schlosspark gegangen und haben uns da auf eine Bank gesetzt.

Werner: Ich hab mit ihr drüber geredet, dass meine Familie das mit uns bestimmt nicht verstehen wird. Da kamen ihr dann doch die Tränen. Aber ich meinte: Wir beide können stärker sein, wenn wir das wollen! Wir können es auch gegen solche Widerstände schaffen! Um 22 Uhr bin ich wieder heimgefahren.

Kerstin: Von da an haben wir uns immer am Wochenende getroffen. Oder sehr viel Telefoniert und gesimst.

Werner: Am 26. Dezember 2003 haben wir uns verlobt und sogar mit Kerstins Eltern darauf angestoßen.

Kerstin: Wir lieben uns eben. Aber wir müssen heute noch unseren Familien zeigen, dass wir es ernst miteinander meinen. Meine Familie versucht nämlich immer noch, das Haar in der Suppe zu finden. Der kann das doch nicht ernst mit ihr meinen, der verarscht sie doch nur. Gut, es ist eben ein krasser Größenunterschied zwischen Werner und mir. Deswegen hab ich mich am Anfang schon minderwertig gefühlt.

Werner: Meine beiden Töchter von 19 und 22 Jahren sind die einzigen, die die Beziehung einfach akzeptieren. Mein Bruder redet nicht mal mehr mit mir. Aber ich denke, es kommt darauf an, was wir beide füreinander empfinden, nicht was andere darüber denken.

Kerstin: Es is meine erste richtige Liebe, die mich so nimmt wie ich bin und ohne wenn und aber, dafür bin ich stolz und freue mich riesig darauf das es den Werner gibt.Und hoffe das es auch sehr sehr lange bleibt.

Kerstin ist gerade zu Werner gezogen. Heute (14. Mai 2004) heiraten die beiden.

Kerstin: Auch wenn viele vielleicht denken: ist das nicht ne Trotzreaktion oder nicht zu schnell? Oder: sie kennen sich ja nicht mal lang. Das mag sein aber mein Motto ist: Kennen wir einen Menschen genau zu 100 Prozent? Im Leben gibt es nie eine Garantie… Es kann nach einer Woche schief gehn oder auch in 20 Jahren…

24. Mai 2004