Dagmar und Wilfried

dagmarundwilfried

Dagmar (Jg. 1954) und Wilfried (Jg.1960)
verheiratet, Bonn

Dagmar erzählt:
Das Telefon in Oberursel klingelt am 6. Februar 2004 um 22.30 Uhr und eine liebe Stimme sagt: „Guten Abend, hier ist der Wilfried aus Bonn…“ Wir machten die Nacht zum Tag, erzählten, stellten uns vor, lachten und trennten uns glücklich und zufrieden nach sage und schreibe 11 Stunden. Inzwischen sind wir verheiratet und haben dafür den 05.05.05 gewählt.

So lernten wir uns also kennen. Den Kontakt stellte ein guter Freund her, der uns beide kannte. Den Freund lernte ich 2003 in der Reha kennen. Er erzählte mir kurz von Wilfried, aber ich wollte nach dem Tod meines Mannes nur meine Ruhe haben. Umgekehrt sah es genauso aus. Wilfried ging es nicht besonders, war in der Tablettenumstellung, ständig nur müde und der Meinung, wer will schon einen behinderten Menschen.

Der Freund sagte aber immer wieder: „Wilfried, diese Frau, glaub mir, würde Dich verstehen. Ruf sie doch endlich mal an!“ Es waren inzwischen sechs Monate vergangen. Wilfried nahm seinen ganzen Mut zusammen und rief mich an besagtem Abend an. Noch während des Gesprächs verliebten wir uns ineinander und Wilfrieds Behinderung interessierte mich überhaupt nicht.

Zwei Tage später lernten wir uns kennen und es machte noch einmal „Peng!“. Wilfried ist mein Traummann – mit oder ohne Behinderung.

Eine Woche später verlobten wir uns in der Schweiz. Auf dem höchsten Berg machte er mir einen Antrag.

Dann lernten wir die Kinder des anderen kennen: Wilfrieds Sohn André, er lebt bei seinem Vater, also jetzt bei uns, meine Tochter Susanne, Schwiegersohn Steven und Enkelin Sarah sowie zum Schluss Madeleine, sie lebt bei der Mutter. Unsere Kinder sind 25, 18 und 10 Jahre alt. Sarah wird drei Jahre alt. Wir verstehen uns alle prima und Klein-Sarah fährt so gern mit Opa Rollstuhl.

Mein Mann Wilfried hatte vor fünf Jahren einen Arbeitsunfall. Nicht nur das, gleichzeitig ging seine Ehe nach 20 Jahren auseinander. Für Wilfried, der immer mit beiden Beinen im Leben stand, brach nicht nur eine Welt zusammen.

Seit wir uns kennen, hat Wilfried große Fortschritte gemacht. Wir sind 24 Stunden zusammen und genießen unser Leben soweit es geht. Wenn man einen Menschen liebt, kann man auch mit seiner Behinderung umgehen.

8. Januar 2006