Hilde und Hermann

hildeundhermann

Hilde (Jg. 1960) und Hermann (Jg. 1955)
verheiratet, Saarbrücken

Hilde erzählt:

Ich war gerade 26 und hatte eine sehr lange Beziehung hinter mir, die zu Ende war. Mein Lebensentwurf war futsch. Ich hatte mir für das neue Jahr alles mögliche Spannende, Neue, vorgenommen (Segeln lernen, Theater spielen, Rhetorikkurse u.ä.).

Da bekam ich Besuch vom Sohn einer Freundin meiner Schwester, die 700 km weg wohnt. Er hatte in unserer Stadt eine Lehrstelle bekommen und wohnte so lange bei mir, bis er eine Wohnung gefunden hatte. Es war Juni und in einem Stadtteil unserer Stadt war traditionelles Altstadtfest. Ich wollte ihm unsere Stadt zeigen und ging mit ihm dorthin. Alleine wäre ich nicht gegangen. An einem Bierstand stand Hermann und wir begrüßten uns als alte Schulkameraden, denn….

… Hermann war früher als Rollstuhlfahrer in meine reine Mädchenklasse gekommen, weil die alte Schule nicht rollstuhlgerecht war. So hat er mit mir den Abschluss gemacht. Danach sah man sich auf Klassentreffen oder mal zufällig in der Stadt, wie man halt Klassenkameraden trifft. Mehr war da nie. Für unsere Schule war das damals eine Sensation und alle Lehrer sehr besorgt. Wir sahen das praktischer – er hatte schon eine Auto und wohnte nicht mehr zu Hause und kam anscheinend ganz gut klar. Als er mal im Krankenhaus war, schickten wir ihm einen Brief (den hat er heute noch). Ich erinnere mich, dass wir beide diejenigen waren, die am heftigsten mit dem Sozialkundelehrer diskutierten, wie wir uns beide für soziale Themen interessierten. Natürlich hat es mich beeindruckt, wie jemand mit diesem Schicksal klar kommt. Doch er war fünf Jahre älter als ich und das waren für mich mit 15/16 fremde Welten. Er hatte damals eine behinderte Freundin.

Ich unterhielt mich 45 Minuten mit Hermann und vergaß darüber fast meinen Gast. Er erzählte, dass auch er gerade eine lange Beziehung hinter sich hat und in Kürze seine erste Stelle antreten wird. Er lud mich zum Kaffee zu sich ein, aber unser Treffen musste warten, bis meine o.g. Aktivitäten beendet waren, weil ich mich entsprechend zu Kursen angemeldet hatte. Ich stellte seine Geduld ganz schön auf die Probe. An diesem ersten Treffen buk er spontan den ersten Kuchen seines Lebens, was mich sehr beeindruckte, denn Männer, die backen, kannte ich noch keine.

Dann ging es eigentlich schnell. Ein von meiner Schwester gedrehter Film kam am 14. August im Fernsehen und ich wollte den natürlich sehen. Doch ich wohnte im Altbau im ersten Stock ohne Aufzug. Also musste ich diesen bei ihm sehen – und blieb. Im Januar zog ich bei ihm ein, obwohl die Wohnung nur halb so groß war wie meine. Nach zwei Jahren des Kennens heirateten wir, während er arbeitslos war. Ich bin noch immer glücklich…

Hermann erzählt:

Nach dem Ende einer dreijährigen Beziehung, war ich in der Nähe meines Wohnortes auf einem Altstadtfest. Ich stand an einem Bierstand und hatte mich auf einen gemütlichen Nachmittag und Abend eingestellt, als plötzlich Hilde erschien. Spontan umarmte ich sie und begrüßte sie herzlich (sie war mir in den letzten Jahren schon bei Klassentreffen angenehm aufgefallen; da sie aber meines Erachtens in einer festen Beziehung stand, hatte ich keine Ambitionen bei ihr). Nach einer ausgiebigen Unterredung, bei der ich feststellte, dass sie zwischenzeitlich alleine lebte, lud ich sie zum Kaffee und Kuchen zu mir ein. Allerdings rechnete ich nicht, dass sie dazu auf Grund ihrer vielseitigen Interessen erst sechs Wochen später Zeit hatte. Ich fieberte dem Termin entgegen und konnte schon fast nicht mehr daran glauben, dass sie wirklich kam.

Tja, dann kam der Termin und es ging alles ziemlich schnell. Wir sind seit dieser Zeit ein Paar und zwei Jahre später haben wir geheiratet. Seit dieser Zeit lebe ich glücklich mit Hilde zusammen.

22. Februar 2006