Filmreife Beziehungen?!

von Raul Krauthausen

Als ich das letzte mal mit Annette telefonierte, sprachen wir schnell darüber, ob 2sames in eine neue Runde gehen sollte. Wir waren uns schnell einig: Ja! Aber natürlich bleibt die Frage: Warum?

In den letzten Jahren kam erfreulicher Weise viel Bewegung in die Debatten zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. Die Paralympics werden prominent übertragen, an Schulen werden mehr inklusive Klassen eröffnet und Medien befassen sich nicht mehr nur mit den Helden- und Opfermythen, die Menschen mit Behinderungen nachgesagt werden, sondern sie befassen sich auch mit brisanteren Themen, wie finanzielle Gleichstellung.

Ein Thema bleibt aber weiterhin in der Nische: Sex und Behinderung. Mir kommt es immernoch so vor, dass das die Partnerschaften zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten weiter im verborgenen bleiben und Sexualität nur in extremen Formen wie Sexualassistzennzen den Weg in Zeitungen und sogar Kinofilmen schaffen. Aber warum könnten Beziehungen nicht normal behandelt werden, mit allen Vor- und Nachteilen?

Anfang des Jahres hat es ein Film ins Kino geschafft, der eine neue Auseinandersetzung mit Liebe, Sex und Behinderung hervorrufen könnte. „The Sessions – Wenn Worte berühren“ hat die Aufmerksamkeit auf das Thema Sexualbegleitung bzw. -assistenz gelenkt und somit an der Stelle angesetzt, die Filme wie „Ziemlich beste Freunde“ bis auf ein Streicheln an den Ohren ausgelassen haben: Behinderte können und möchten auch Zärtlichkeiten empfangen. Aber warum schafft es ein Film in die Kinos, der einen sehr extremen Fall zeigt? Können Menschen mit Behinderungen nicht einmal auch in cineastisch aufgearbeiteten „normalen“ Liebesbeziehungen gezeigt werden?

Mann und Frau liegen unter einer Decke im Bett

Beziehungen mit Seltenheitswert

Natürlich weiß ich, dass auch in 2013 im echten Leben die Beziehungen zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten etwas Seltenes sind. Leider. Aber es ist auch nicht immer der Therapie-Ansatz, und Partner sind schon gar keine Sexual-Assistenten. Wenn es in Filmen jedoch nur um das Prinzip der Therapie geht und Zeitungsartikel Sexualität und Behinderung in einer therapeutisch-medizinischen Dimension analysieren, dann wird es auch schwierig bleiben, Vorbehalte abzubauen.

Ein Kumpel meinte neulich: „Natürlich frage ich mich bei einer Rollstuhlfahrerin eher, wie/ ob eine Beziehung klappen könnte. Auch in sexueller Hinsicht. Ich würde mir Fragen stellen und Sorgen machen, was bei einer Frau ohne Behinderung sicher erst mal nicht so wäre.“ Und weiter fragte er mich, ob es denn, wenn es bei einer Partnerschaft mit der Behinderung Probleme gäbe, für nichtbehinderte Partner auch Beratungen geben würde. Ich wusste es nicht. Es gibt zwar eine Menge Beratungen, aber die fokussieren sich schnell auf den behinderten Partner, oder die Berater haben selbst eine Behinderung. Das kann auf den nichtbehinderten Partner abschreckend wirken.

Von 2sames zum Drehbuch?

Es wäre natürlich schön, wenn ich jetzt an dieser Stelle eine Lösung präsentieren könnte, aber leider ist mir die zündende Idee noch nicht gekommen. Vielleicht liegt eine Möglichkeit der Überwindung schon darin, dass nicht nur extreme Fälle erzählt werden. Kann nicht die wunderbare Teal Sherer mal eine Liebeskomödie mit George Clooney drehen? Das Notting-Hill-Prinzip at its best!?

Wegen diesen Fragen wollte ich bei 2sames mitmachen, um Beispiele zu zeigen, dass Partnerschaften zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen normal sein können und es vielleicht auch deshalb mal ins Kino schaffen könnten.

Bildquelle: 20th Century Fox

4 thoughts on “Filmreife Beziehungen?!

  1. Die Idee mit der Sexualberatung für Nichtbehinderte in Bezug auf behinderte Partner scheint mir ein guter Ansatz zu sein. Außerdem gehört das direkt in den Sexualkunde-Unterricht in den Schulen als Teil der Inklusionsbemühungen.

    Meint
    Frosch

  2. Pingback: Froschs Blog: » Im Netz aufgefischt #125

  3. mein Freund ist mehrfach behindert, hat die Intelligenz von Stephen Hawking und mindestens das Aussehen von George Clooney, ich bin nicht behindert und Schauspielerin. Das Drehbuch hätte ich auch schon – also, woran scheitert’s??

    • Liebe Yemania, habe gerade Deinen Eintrag auf 2sames.de gelesen.

      Ich bin Redakteurin bei NDR 2 und am 9. Juni wollen wir anlässlich des Diversity Tages mit Menschen reden, die in einer Partnerschaft wie der Deinen leben.

      Hast Du vielleicht Lust, uns Deine Geschichte zu erzählen. Wenn ja, melde Dich gern, dann rufe ich Dich mal an.

      Lieben Gruß

      Doreen

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