Keine Beziehung mit Assistenz?

von Barbara Kuhlenbeck

barbaraIch heiße Barbara, bin 44 Jahre alt und sitze von Geburt an durch eine Spastik im Rolli. Die Beziehung, die ich bis vor vier Jahren noch hatte, dauerte sieben Jahre.  Wir hatten uns auf einer Flirtline kennengelernt.  Er ist zwei Jahre jünger als ich und hat keine körperliche Einschränkung.
Ich kann aus meiner Erfahrung heraus sagen: Hätte ich vorher gewusst, wie schlecht die Leute darauf reagieren, dass ein Mann eine Frau im Rolli hat, wäre ich die Beziehung nicht eingegangen. Von „Krüppelficker“ bis zu „bei der bekommst du doch nur einen hoch, wenn du Pillen schluckst“ mussten wir uns einiges anhören. All seine sogenannten „Freunde“ haben sich von uns abgewandt. Mit seinem Vater hat er dann auch gebrochen, weil der stumpf zu ihm sagte: „Warum keine normale Frau, warum so einen Krüppel?“. Daran ist die Beziehung zerbrochen.

Was auch im Nachhinein gut war, denn das Sozialamt hat uns so unter Druck gesetzt hat, dass wir sogar eine eidesstattliche Versicherung darauf abgeben mussten, kein Paar  mehr zu sein. Damals lief gerade der Antrag für die Assistenz an. Ich kam mir teilweise echt wie ein Schwerverbrecher vor. Wir wurden auch getrennt voneinander gefragt und meine Eltern mussten es auch bezeugen.

Zum heutigen Zeitpunkt würde ich auch keine Beziehung mehr führen wollen, weil ich Assistenz habe. Da läuft es ja nach dem Motto „kein Geld für die Liebe“. Ich will es keinem Mann zumuten, das er mir bei der Pflege hilft, oder einen Teil von seinem Lohn abgeben muss. Wie soll man so was übers Herz bringen und jemandem, den man liebt mit in die Sch… ziehen. Ich kann das nicht, finde es richtig beschissen, dass sich in der Richtung bei den Ämtern nichts getan hat.